Des Fürsten neue Kleider

Wie darf man sich das Aussehen des Keltenfürsten vom Glauberg vorstellen? In diesem Film gehen wir dieser Frage nach. Die Keltenwelt am Glauberg befindet sich nämlich in der außergewöhnlichen Situation, bei der Rekonstruktion nicht nur auf Grabbeigaben zurückgreifen zu können. Als Highlight der Ausstellung steht dafür auch ein einzigartiges keltisches Selbstbildnis in Form einer detailreich gearbeiteten Steinstatue zur Verfügung.

Eher spielerisch „verwandeln“ wir unseren Kollegen Lars in einen keltischen Kriegerfürsten des 4. vorchristlichen Jahrhunderts. Es geht dabei weniger um eine in allen Details wissenschaftlich exakt Rekonstruktion. Vielmehr sollen grundsätzlich die Bestandteile seiner Kleidung und Ausrüstung vorgestellt werden.

Der Glaubergbogen wird nachgebaut

Wie wird aus einem „Stück Holz“ ein kunstvoller und voll funktionstüchtiger Bogen? Schaut doch einfach einem professionellen Bogenbauer über die Schulter und lasst es euch hier in unserem Film erklären. Schritt für Schritt werden die Arbeiten erläutert und gezeigt. Der Bogen wurde auf Grundlage der aus dem Herrschergrab 1 vom Glauberg stammenden Bogenreste rekonstruiert. Wie, erfahrt ihr hier in diesem Film.

Eine sichere Sache?

Bei der Wiedergabe des Körperpanzers an der Steinstatue des Keltenfürsten hat der Steinmetz viel Aufwand betrieben. Leider liegen aus dem zentralen Grab 1 am Glauberg keine Hinweise vor, aus welchem Material der Körperschutz einst bestand. Von zahlreichen antiken Abbildungen ist allerdings der „Linothorax“ bekannt, eine aus mehreren Stoff(!)lagen zusammengeklebte Rüstung. Da die Kelten mit den Völkern am Mittelmeer regen Austausch trieben und sich von deren Ideen inspirieren ließen, ist es gut vorstellbar, dass auch der „Linothorax“ seinen Weg über die Alpen fand. Schließlich webten auch die Kelten Stoffe aus Leinen.

Doch Stoff gegen Pfeilbeschüsse, Lanzenstöße und Schwerthiebe? Kann das funktionieren? Der kleine Versuch im Video soll von der Effektivität der antiken „schusssicheren Weste“ überzeugen. Für den Test wurden übrigens 12 Lagen Leinenstoff mit Hautleim verklebt.

Die Bogenausrüstung des Keltenfürsten vom Glauberg

Aus Herrschergrab 1 vom Glauberg stammen auf den ersten Blick schwer interpretierbare Reste, die aber schlüssig zu einem Bogen sowie Pfeilen in einem Köcher rekonstruiert werden können. Der Film erläutert den Erkenntnisweg vom archäologischen Befund hin zum funktionstüchtigen Rekonstruktionsvorschlag. Wie ein solcher Bogen dann gebaut wird erfahrt ihr hier, ein schönes Übersichtsbild unseres Rekonstruktionsvorschlages findet ihr hier.

Pfeil, Speer oder Lanze?

Mitunter fällt es schwer, allein über die eiserne Bewehrung auf die Nutzung eines Projektils zu schließen. So wie im Fall einer 16,6 Zentimeter langen Spitze aus Grab 2 vom Glauberg. Sie gelangte zusammen mit zwei Pfeilspitzen als Grabbeigabe in den Boden. Während die Tüllenmaße der beiden kleineren Spitzen ihre Verwendung als Pfeilspitzen nahelegen, stellt die Verwendung der Spitze mit dem verdoppelten Mittelgrat ein gewisses Problem dar. Mit einem Tüllendurchmesser von 17 Millimeter scheint die Spitze für einen keltischen Pfeil zu dick, für einen konventionellen Speer allerdings zu dünn zu sein. Der Durchmesser lässt eher an einen leichten Wurfspeer denken, der mit Hilfe einer Schleuderhilfe geworfen wurde. Derartige Speerschleudern wurden von zahlreichen indigenen Völkern benutzt und waren schon in der letzten Eiszeit bekannt. Auch am Mittelmeer lebende Zeitgenossen der Kelten nutzen die Schleuderhilfe in Form einer Lederschlaufe, die sie ankyle bzw. amentum nannten.

Das Schwert aus Herrschergrab 2

Schwerter zählten in der Eisenzeit zu den repräsentativsten Waffen. Besonders wenn sie, wie im Fall der Waffe aus Grab 2 vom Glauberg, in reich verzierten Metallscheiden steckten. Die schützende Hülle besteht aus Eisen, die an der Vorderseite mit einem Bronzeblech verkleidet wurde. Es weist zahlreiche Verzierungen in Form von figuralen, spiegelsymmetrisch komponierten Gravuren und einem Mäanderband auf. Zwei Klammern, die der aus Einzelteilen zusammengesetzten Schwertscheide Halt verliehen, trugen einst Auflagen aus wohl edlen Materialien.

Im krassen Widerspruch zur wertvollen Anmutung steht allerdings der desolate Zustand der Waffe bei ihrer Niederlegung. Die Griffangel war gebrochen und bereits antik repariert, der Holzgriff fehlte vollständig. Auf noch mehr „unsachgemäßen“ Gebrauch lässt die Biegung in der Mitte der Waffe schließen. Sie entstand beim Zusammen- und anschließenden Auseinanderbiegen des nun funktionslos gewordenen Schwertes!

Rekonstruktion der Bogenausrüstung des „Keltenfürsten vom Glauberg“

War der Keltenfürst vom Glauberg ein Jäger? Einige Beigaben in seinem Grab lassen diesen Schluss zu. Am sichersten erscheint dabei die Deponierung von drei Pfeilen. Die eisernen Spitzen, an denen sich sogar noch Reste der Holzschäfte befanden, lagen aber nicht isoliert im Grab. Zahlreiche Lagen aus Holz, Leder und Stoff verweisen auf einen aufwendig konstruierten Köcher, der seine Stabilität primär einer Röhre aus Pappelholz verdankte. Vom Bogen selbst fand der Restaurator nur noch mit feinsten Ritzmustern verzierte Holzbröckchen. Ihre Lage erlaubt zusammen mit der rekonstruierbaren Länge der Pfeile eine Annäherung an die einstige Bogenform. Diese geschwungene Form und eine geschätzte Länge von etwa 120 Zentimetern erinnern an Waffen der Ureinwohner Nordamerikas. Sie sind somit ein Beleg für die Praxistauglichkeit des Bogens, den der Keltenfürst wohl vor allem bei der Jagd zu schätzen wusste.