Der Fund belegt die Bedeutung der Glauberg-Region bereits in der frühen Eisenzeit
Ein außergewöhnlicher archäologischer Fund verbindet derzeit Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise: Die Schülerin Lilly Then von der Gesamtschule Konradsdorf entdeckte bei Büdingen einen rund 2.700 Jahre alten Bronzearmring aus der frühen Eisenzeit. Das seltene Schmuckstück stammt aus der Hallstattzeit des 8. oder 7. Jahrhunderts v. Chr. und liefert neue Hinweise auf die Besiedlungsgeschichte der Region rund um den Glauberg.
Der Fund ist nicht nur aus archäologischer Sicht bemerkenswert. Er steht zugleich für die enge und gewachsene Zusammenarbeit zwischen der Keltenwelt am Glauberg und der Gesamtschule Konradsdorf. Diese Kooperation reicht bereits bis ins Jahr 2014 zurück, als unter der damaligen Initiative des Geschichtslehrers Tobias Stolte erste regelmäßige Besuche der Schule im Museum und am Glauberg begannen. Aus dieser langjährigen Verbindung hat sich über die Jahre ein kontinuierlicher Austausch entwickelt, der inzwischen fest im schulischen und musealen Alltag verankert ist.
Mit der Ernennung von Tobias Stolte zum Schulleiter sowie dem im März 2025 unterzeichneten Kooperationsvertrag zwischen der Gesamtschule Konradsdorf, der Keltenwelt am Glauberg und dem Kloster Konradsdorf, das von den Staatlichen Schlössern und Gärten Hessen betreut wird, wurde diese Zusammenarbeit zusätzlich formalisiert und auf eine neue institutionelle Ebene gehoben. Ziel ist es, Schülerinnen und Schülern einen direkten Zugang zu archäologischer Forschung, Denkmalpflege und regionaler Geschichte zu ermöglichen.
Dass nun mit Lilly Then eine Schülerin selbst an der Entdeckung eines bedeutenden Bodendenkmals beteiligt ist, verleiht dieser Zusammenarbeit eine besondere Symbolkraft.
„Der Fund zeigt eindrucksvoll, dass Archäologie nicht nur in Museen stattfindet, sondern direkt vor unserer Haustür beginnt“, betont Schulleiter Tobias Stolte. „Für unsere Schülerinnen und Schüler wird Geschichte dadurch unmittelbar erfahrbar.“
Nachdem Lilly Then das Fundstück entdeckt hatte, wurde es umgehend den zuständigen Fachstellen gemeldet. Die weitere Untersuchung erfolgte durch Dr. Axel G. Posluschny, dm Leiter des Forschungszentrums der Keltenwelt am Glauberg, in enger Zusammenarbeit mit dem Bezirksarchäologen der hessenARCHÄOLOGIE Hardy Prison M.A. sowie dem Kreisarchäologen des Wetteraukreises, Dr. Jörg Lindenthal. Durch das verantwortungsvolle Handeln der Finderin konnten wichtige wissenschaftliche Informationen gesichert werden.
Ein Schmuckstück der frühen Eisenzeit
Bei dem Fund handelt es sich um einen massiven Bronzearmring mit rundem Stabquerschnitt, verdickten Enden und feiner Rippenverzierung. Solche Armringe waren Bestandteil der eisenzeitlichen Tracht und dienten weit mehr als nur der Zierde. Sie konnten gesellschaftliche Stellung, regionale Identität oder kulturelle Zugehörigkeit zum Ausdruck bringen.
Der Armring gehört zu einem charakteristischen Typ der Hallstattzeit und lässt sich in das 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. datieren. Vergleichbare Stücke sind vor allem aus Gräbern bekannt. Dort begleiten sie die Verstorbenen als Teil ihrer persönlichen Ausstattung und geben heute wertvolle Einblicke in Kleidung, Schmuckvorlieben und gesellschaftliche Rollen der frühen Eisenzeit.
Der Glauberg als Machtzentrum mit langer Geschichte
Besonders interessant ist die zeitliche Einordnung des Fundes. Der Bronzearmring entstand rund drei Jahrhunderte vor der Blütezeit des berühmten „Keltenfürsten vom Glauberg“, dessen reich ausgestattetes Grab um 400 v. Chr. angelegt wurde.
Damit unterstreicht der Fund die lange und kontinuierliche Bedeutung der Glauberg-Region als Siedlungs- und Machtzentrum. Schon in der frühen Eisenzeit lebten hier Menschen, die Teil weitreichender kultureller Netzwerke waren und Zugang zu hochwertigen Metallobjekten besaßen. Der Armring belegt, dass die herausragende Stellung der Region nicht erst mit den Kelten des 5. Jahrhunderts v. Chr. Am Glauberg begann, sondern deutlich weiter in die Vergangenheit zurückreicht.
Jeder neue Fund trägt dazu bei, dieses Bild zu vervollständigen. Der jetzt entdeckte Armring ist deshalb weit mehr als ein einzelnes Schmuckstück: Er ist ein Zeugnis der frühen Geschichte der Region und ein weiterer Baustein zum Verständnis jener Entwicklung, die den Glauberg später zu einem der bedeutendsten keltischen Zentren Europas werden ließ.
Fundbeschreibung:
Bronzearmring
Ältere Eisenzeit, Hallstattzeit Ha C, 8./7. Jahrhundert v. Chr.
Massiver, rundstabiger Armring aus Bronze mit verdickten Enden und feiner Rippenverzierung (Typ nach A. Abegg-Wigg, Arm- und Beinringe: erkennen – bestimmen – beschreiben, Bestimmungsbuch Archäologie 9, Berlin/Boston 2023, 140 Nr. 1.1.3.7.2.1).
Der Armring war Teil der eisenzeitlichen Tracht und diente sowohl als Schmuck als auch als Ausdruck sozialer und kultureller Identität. Vergleichbare Stücke sind überwiegend aus Bestattungen bekannt und stellen wichtige Zeugnisse für Kleidung, Statusdarstellung und gesellschaftliche Strukturen der frühen Eisenzeit dar.