Die Statue des Keltenfürsten

Zweifelsohne ist die fast vollständig erhaltene Statue des „Keltenfürsten vom Glauberg“ unser prominentestes Ausstellungsstück. Aber wo wurde sie genau gefunden? Wo hat sie gestanden? Wen stellt sie dar? Welche vergleichbaren Statuen gibt es? War sie ursprünglich farbig gefasst? All diese und noch mehr Fragen beantwortet der Leiter unseres Forschungszentrums, Dr. Axel Posluschny, in diesem Film.

Drei rätselhafte Armringe aus Bronze

Die Existenz dieser Ringe im Grab des „Keltenfürsten“ gibt Rätsel auf. Denn weder die geringen Durchmesser noch die Ausgestaltung lassen sie als Bestandteil seiner Tracht erscheinen. Derartige Knotenarmringe zählten eigentlich zur keltischen Frauentracht! Erstaunlicherweise lagen die beiden unversehrten Schmuckstücke dennoch in unmittelbarer Nähe zum rechten Handgelenk des Toten. Der in drei Stücke zerbrochene und nicht mehr vollständige Armring befand sich allerdings davon isoliert in einer der Grabkammerecken. Nach wie vor ist die Bedeutung dieses speziellen Beigaben-Ritus nicht hinreichend geklärt.

Statue des „Keltenfürsten vom Glauberg“

Die vollplastisch gearbeitete Statue bildet eine männliche Figur ab, deren Gesicht durch übergroße Augen, Nase und einen Knebelbart charakterisiert wird. Die detailreiche Steinmetzarbeit lässt zudem viele Gegenstände erkennen, die der Lebenswirklichkeit des „Keltenfürsten vom Glauberg“ zu entstammen scheinen. So wird die Statue durch das Abbild einer Kopfbedeckung mit zwei blattähnlichen Fortsätzen geprägt, deren Überreste auch im „Fürstengrab“ angetroffen wurden. Neben Schmuckgegenständen wie Hals-, Arm- und Fingerring, zeigt die Statue auch Waffen. So findet sich an der rechten Seite der Figur ein Schwert, während frontal ein Schild abgebildet ist. Der durch Mäandermuster geprägte Brustpanzer mit den charakteristischen Schulterklappen vervollständigt die Darstellung der Defensivwaffen. Bis auf den abgebrochenen Fußbereich ist die Statue weitgehend unbeschädigt.

Die Prunkfibel aus dem „Fürstengrab“

Diese Gewandspange nach Art einer Sicherheitsnadel ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie Kelten Alltagsgegenstände zu Trägern ihrer außergewöhnlichen Bilderwelt machten. Welches Kleidungsstück der „Keltenfürst“ mit der Fibel allerdings verschloss, bleibt unklar. Ihre Lage abseits des Leichnams bietet dafür leider keine Anhaltspunkte. Auch über die Bedeutung der abgebildeten Motive kann nur gerätselt werden. Den Fibelkörper bildet ein geflügeltes Fantasiewesen, dessen herausstechendstes Merkmal ein übergroßer Kopf mit gewaltiger Knubbelnase ist.  Ein menschlicher Kopf mit Kinnbart und überzeichneten Augen sowie dominanter Nase scheint zudem regelrecht aus dem Tierkörper heraus zu wachsen. Als weiteres Zierelement findet sich auf der Federachse der Fibel eine mit Tierdarstellungen spiegelbildlich gestaltete, bewegliche Platte. Zwei aufgenietete Perlen aus Korallen schließen diese Achse ab.

Der Glaubergbogen wird nachgebaut

Wie wird aus einem „Stück Holz“ ein kunstvoller und voll funktionstüchtiger Bogen? Schaut doch einfach einem professionellen Bogenbauer über die Schulter und lasst es euch hier in unserem Film erklären. Schritt für Schritt werden die Arbeiten erläutert und gezeigt. Der Bogen wurde auf Grundlage der aus dem Herrschergrab 1 vom Glauberg stammenden Bogenreste rekonstruiert. Wie, erfahrt ihr hier in diesem Film.

Eine sichere Sache?

Bei der Wiedergabe des Körperpanzers an der Steinstatue des Keltenfürsten hat der Steinmetz viel Aufwand betrieben. Leider liegen aus dem zentralen Grab 1 am Glauberg keine Hinweise vor, aus welchem Material der Körperschutz einst bestand. Von zahlreichen antiken Abbildungen ist allerdings der „Linothorax“ bekannt, eine aus mehreren Stoff(!)lagen zusammengeklebte Rüstung. Da die Kelten mit den Völkern am Mittelmeer regen Austausch trieben und sich von deren Ideen inspirieren ließen, ist es gut vorstellbar, dass auch der „Linothorax“ seinen Weg über die Alpen fand. Schließlich webten auch die Kelten Stoffe aus Leinen.

Doch Stoff gegen Pfeilbeschüsse, Lanzenstöße und Schwerthiebe? Kann das funktionieren? Der kleine Versuch im Video soll von der Effektivität der antiken „schusssicheren Weste“ überzeugen. Für den Test wurden übrigens 12 Lagen Leinenstoff mit Hautleim verklebt.

Misteln in der keltischen Welt

Zu den immergrünen Pflanzen, die unter anderem gerne als Dekoration zur Weihnachtszeit genutzt werden, gehört die Mistel. Häufig wird dabei auf keltische Bräuche verwiesen. Aber was wissen wir tatsächlich?

Die Textstelle, auf die immer wieder verwiesen wird, steht im 16. Buch in der Naturgeschichte von Plinius dem Älteren (23/24-79 n. Chr.). Dort wird beschrieben, dass in Gallien weißgekleidete Druiden die Misteln von Eichen abschneiden. Erwähnt wird zudem die Verwendung als Heilmittel bei Vergiftungen und in der Tiermedizin. Auch wenn Plinius kein Zeitgenosse derjenigen Kelten war, die wir mit der archäologischen Latène-Kultur verbinden, wird diese Überlieferung doch ein wahrer Kern zugesprochen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Blattkappe der Glauberger Steinfiguren. Dass hier ein realer Kopfschmuck dargestellt wurde, belegen die in Grab 1 gefundenen Reste eben einer solchen Blattkappe. Auffällig ist bei der Statue, dass die beiden hochgebogenen Blätter unterschiedlich groß sind, genau wie es auch bei der Mistel der Fall ist. Daher gibt es die Theorie, dass das Vorbild eine Mistel gewesen sein könnte. Doch selbst wenn hier Misteln gemeint sein können, macht dies den Glauberger Mann aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. noch nicht zu einem „Druiden“, wie sie für Gallien im 1. Jahrhundert v. Chr. schriftlich erwähnt werden.

Zum Nachlesen des Plinius-Textes und weitere Informationen dazu (externer Link): Andreas. Hofeneder, Plinius und die Druiden. Überlegungen zu naturalis historia 16, 249–251. In: H. Birkhan/H. Tauber (Hrsg.), Kelten-Einfälle an der Donau. Österr. Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse. Denkschriften 345 (Wien 2007) 307–324.

 

Wer waren die Kelten ?

Zwei Experten der Keltenwelt am Glauberg geben Einblicke in die Ursprünge und die Entwicklung der keltischen Kultur und skizzieren wichtige Merkmale der keltisch geprägten Eisenzeit von ihren Anfängen bis zum Eintreffen der Römer. So ist etwa zu erfahren, was die auch in Hessen archäologisch überlieferten Kelten mit den „Kelten“ auf den Britischen Inseln zu tun haben.

Die Bogenausrüstung des Keltenfürsten vom Glauberg

Aus Herrschergrab 1 vom Glauberg stammen auf den ersten Blick schwer interpretierbare Reste, die aber schlüssig zu einem Bogen sowie Pfeilen in einem Köcher rekonstruiert werden können. Der Film erläutert den Erkenntnisweg vom archäologischen Befund hin zum funktionstüchtigen Rekonstruktionsvorschlag. Wie ein solcher Bogen dann gebaut wird erfahrt ihr hier, ein schönes Übersichtsbild unseres Rekonstruktionsvorschlages findet ihr hier.

Öffnen des original Goldhalsreifs

Wie brachte der Fürst eigentlich seinen Goldhalsreif um den Hals? Ganz einfach, er war mit einem drehbaren Verschluss gesichert und konnte dann aufgeklappt werden. Im Zuge von 3D-Digitalisierungsmaßnahmen konnten Restauratorinnen von der hessenARCHÄOLOGIE – erstmals seit der Restaurierung nach der Ausgrabung – den Halsreif wieder öffnen. Der kleine Arbeitsfilm zeigt das Öffnen des berühmten Goldhalsreifes aus Grab 1.

Der Halsring hat einen Schließmechanismus, der durch drehen der Manschette einrastet, wie auf diesem Foto gut zu sehen ist.

Foto: Keltenwelt am Glauberg