Des Fürsten neue Kleider

Wie darf man sich das Aussehen des Keltenfürsten vom Glauberg vorstellen? In diesem Film gehen wir dieser Frage nach. Die Keltenwelt am Glauberg befindet sich nämlich in der außergewöhnlichen Situation, bei der Rekonstruktion nicht nur auf Grabbeigaben zurückgreifen zu können. Als Highlight der Ausstellung steht dafür auch ein einzigartiges keltisches Selbstbildnis in Form einer detailreich gearbeiteten Steinstatue zur Verfügung.

Eher spielerisch „verwandeln“ wir unseren Kollegen Lars in einen keltischen Kriegerfürsten des 4. vorchristlichen Jahrhunderts. Es geht dabei weniger um eine in allen Details wissenschaftlich exakt Rekonstruktion. Vielmehr sollen grundsätzlich die Bestandteile seiner Kleidung und Ausrüstung vorgestellt werden.

Rundumblick vom Fürstengrab aus

Genießen sie einen Rundumblick in die Landschaft vom Grabhügel des Keltenfürsten vom Glauberg aus. Aufgenommen zu einem Zeitpunkt als die Holzpfosten des sogenannten Kalenderbauwerks gerade getauscht wurden, stellt dieses 360° Panorama eine Momentaufnahme dar, die so für lange Zeit nicht mehr zu sehen sein wird. Durch Klicken auf den roten Punkt können sie von der Ansicht Sonnenaufgang zum Sonnenuntergang wechseln. Viele der Funde aus den beiden Herrschergräbern (Grab 1 und 2) finden Sie auch hier in unserer Mediathek.

Bronzener Halsring mit Koralleinlagen

Der offene Halsreif ist ein Zufallsfund, der zusammen mit fünf Armringen beim Sandabbau im Sieb hängen geblieben ist. Der zuständige Revierförster hat die Funde 1956 im Historischen Museum in Hanau abgegeben. Wahrscheinlich gehörte dieser Schmuck zu einem reich ausgestatteten Frauengrab unweit eines alten Fernweges der so genannten Gelnhäuser Postenstraße. Leider sind keine weiteren Grabbeigaben oder Knochen erhalten geblieben. Der Halsreif hat einen runden Querschnitt mit einer leichte Schwellung im Nacken und ist über und über mit einem geometrischen Ornament aus feinen Kerbschnitten gestaltet. An den tellerförmigen Enden befinden sich Reste von roten Korallverzierungen aus dem Mittelmeerraum.

Das Original kann im Museum Schloss Steinheim bewundert werden.

Die Besiedlungsgeschichte des Glaubergs

Schon immer war der Glauberg und sein direktes Umfeld ein beliebter Siedlungsplatz. Bereits aus der Zeit der ersten jungsteinzeitlichen Bauern, der Bandkeramischen Kultur (ca. 5500 – 4900 v. Chr.), ist eine Siedlung am Fuße des Glaubergs belegt. Weitere jungsteinzeitliche Epochen wie die Rössener Kultur (ca. 4800 – 4400 v. Chr.) und die Michelsberger Kultur (ca. 4400 – 3500 v. Chr.) lassen sich sogar auf dem Glaubergplateau nachweisen. Aber auch in der Bronzezeit, vor allem in der späten Bronzezeit (ca. 1300 – 800 v. Chr., Urnenfelderkultur) wurde der Glauberg genutzt. Besonders bekannt ist natürlich die Besiedlungsphase in der Eisenzeit, der Zeit der Kelten (ca. 800 v. Chr. – Christi Geburt). Aber auch nach dieser wurde er von den Alamannen (3. bis 5. Jh. n. Chr.) genutzt, zu dieser Zeit befand sich auf dem Plateau wohl der Sitz eines sogenannten Kleinkönigs. Durch fast das gesamte Mittelalter hindurch diente er als Befestigung bzw. Burg, die in Spätstaufischer Zeit (Mitte 13. Jh. nach Chr.) sogar zur Stadt ausgebaut werden sollte. Mit dem Scheitern des Ausbaus endet auch die Besiedlungsgeschichte des Glaubergs. Durch diese umfangreiche Besiedlungsgeschichte führt der Leiter unseres Forschungszentrums und zeigt dabei die wichtigsten Befunde vor Ort.

Die Statue des Keltenfürsten

Zweifelsohne ist die fast vollständig erhaltene Statue des „Keltenfürsten vom Glauberg“ unser prominentestes Ausstellungsstück. Aber wo wurde sie genau gefunden? Wo hat sie gestanden? Wen stellt sie dar? Welche vergleichbaren Statuen gibt es? War sie ursprünglich farbig gefasst? All diese und noch mehr Fragen beantwortet der Leiter unseres Forschungszentrums, Dr. Axel Posluschny, in diesem Film.

Drei rätselhafte Armringe aus Bronze

Die Existenz dieser Ringe im Grab des „Keltenfürsten“ gibt Rätsel auf. Denn weder die geringen Durchmesser noch die Ausgestaltung lassen sie als Bestandteil seiner Tracht erscheinen. Derartige Knotenarmringe zählten eigentlich zur keltischen Frauentracht! Erstaunlicherweise lagen die beiden unversehrten Schmuckstücke dennoch in unmittelbarer Nähe zum rechten Handgelenk des Toten. Der in drei Stücke zerbrochene und nicht mehr vollständige Armring befand sich allerdings davon isoliert in einer der Grabkammerecken. Nach wie vor ist die Bedeutung dieses speziellen Beigaben-Ritus nicht hinreichend geklärt.

Statue des „Keltenfürsten vom Glauberg“

Die vollplastisch gearbeitete Statue bildet eine männliche Figur ab, deren Gesicht durch übergroße Augen, Nase und einen Knebelbart charakterisiert wird. Die detailreiche Steinmetzarbeit lässt zudem viele Gegenstände erkennen, die der Lebenswirklichkeit des „Keltenfürsten vom Glauberg“ zu entstammen scheinen. So wird die Statue durch das Abbild einer Kopfbedeckung mit zwei blattähnlichen Fortsätzen geprägt, deren Überreste auch im „Fürstengrab“ angetroffen wurden. Neben Schmuckgegenständen wie Hals-, Arm- und Fingerring, zeigt die Statue auch Waffen. So findet sich an der rechten Seite der Figur ein Schwert, während frontal ein Schild abgebildet ist. Der durch Mäandermuster geprägte Brustpanzer mit den charakteristischen Schulterklappen vervollständigt die Darstellung der Defensivwaffen. Bis auf den abgebrochenen Fußbereich ist die Statue weitgehend unbeschädigt.

Die Prunkfibel aus dem „Fürstengrab“

Diese Gewandspange nach Art einer Sicherheitsnadel ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie Kelten Alltagsgegenstände zu Trägern ihrer außergewöhnlichen Bilderwelt machten. Welches Kleidungsstück der „Keltenfürst“ mit der Fibel allerdings verschloss, bleibt unklar. Ihre Lage abseits des Leichnams bietet dafür leider keine Anhaltspunkte. Auch über die Bedeutung der abgebildeten Motive kann nur gerätselt werden. Den Fibelkörper bildet ein geflügeltes Fantasiewesen, dessen herausstechendstes Merkmal ein übergroßer Kopf mit gewaltiger Knubbelnase ist.  Ein menschlicher Kopf mit Kinnbart und überzeichneten Augen sowie dominanter Nase scheint zudem regelrecht aus dem Tierkörper heraus zu wachsen. Als weiteres Zierelement findet sich auf der Federachse der Fibel eine mit Tierdarstellungen spiegelbildlich gestaltete, bewegliche Platte. Zwei aufgenietete Perlen aus Korallen schließen diese Achse ab.

Der Glaubergbogen wird nachgebaut

Wie wird aus einem „Stück Holz“ ein kunstvoller und voll funktionstüchtiger Bogen? Schaut doch einfach einem professionellen Bogenbauer über die Schulter und lasst es euch hier in unserem Film erklären. Schritt für Schritt werden die Arbeiten erläutert und gezeigt. Der Bogen wurde auf Grundlage der aus dem Herrschergrab 1 vom Glauberg stammenden Bogenreste rekonstruiert. Wie, erfahrt ihr hier in diesem Film.

Eine sichere Sache?

Bei der Wiedergabe des Körperpanzers an der Steinstatue des Keltenfürsten hat der Steinmetz viel Aufwand betrieben. Leider liegen aus dem zentralen Grab 1 am Glauberg keine Hinweise vor, aus welchem Material der Körperschutz einst bestand. Von zahlreichen antiken Abbildungen ist allerdings der „Linothorax“ bekannt, eine aus mehreren Stoff(!)lagen zusammengeklebte Rüstung. Da die Kelten mit den Völkern am Mittelmeer regen Austausch trieben und sich von deren Ideen inspirieren ließen, ist es gut vorstellbar, dass auch der „Linothorax“ seinen Weg über die Alpen fand. Schließlich webten auch die Kelten Stoffe aus Leinen.

Doch Stoff gegen Pfeilbeschüsse, Lanzenstöße und Schwerthiebe? Kann das funktionieren? Der kleine Versuch im Video soll von der Effektivität der antiken „schusssicheren Weste“ überzeugen. Für den Test wurden übrigens 12 Lagen Leinenstoff mit Hautleim verklebt.