Museum mit Hügel

Aktuelle Forschungen

Das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg hat im September 2016 nach langen Jahren wieder die ersten Ausgrabungen am Glauberg durchgeführt. Als Teil der Sommerakademie der hessenARCHÄOLOGIE wurde zusammen mit Studierenden aus Hessen (Frankfurt, Gießen und Marburg), England (Winchester) und den Niederlanden (Deventer) auf dem Plateau ein mittelalterlicher Keller sowie auf einer unbebauten Fläche auch ein Grabungsschnitt mit keltischen Siedlungsresten ausgegraben. Diese Forschungen wurden auch 2017 fortgesetzt, auch in den nächsten Jahren wird die Sommerakademie der hessenARCHÄOLOGIE weiter auf dem Glauberg stattfinden.

Die im Mai 2017 begonnene Ausgrabungen am Südhang des Glaubergs, ca. 330 m südlich des rekonstruierten Grabhügels, sollten den Aufbau eines Wall/Grabenabschnittes klären, der hier von der „Prozessionsstraße“ aus nach Westen umbiegend im Acker verborgen liegt und bislang nur durch geophysikalische Prospektionen (eine zerstörungsfreie Vermessungsmethode zur Untersuchung von im Boden verlaufenden archäologischen Strukturen wie Gräben, Gruben, Wällen, Mauern usw.) bekannt war. Es konnte ein ursprünglich etwa 5 m hoher und etwa 18 m breiter Wall dokumentiert werden, der aus dem Aushub eines ebenfalls ca. 18 m breiten Grabens von etwa 5 m Tiefe aufgeschüttet worden war. Diese gigantische Anlage verlief in verschiedenen Abschnitten und mit großen Lücken um den Glauberg herum und wird eher Repräsentationszwecken als zur Verteidigung gedient haben.
Unter dem Wall konnten die ebenfalls schon aus den geophysikalischen Daten bekannten Reste eines noch älteren Grabensystems dokumentiert und über Funde erstmalig datiert werden. Es handelt sich um ein Grabenwerk aus der Zeit der jungsteinzeitlichen Rössener Kultur (ca. 4800–4500 v. Chr.), das an seiner Innenseite von einem parallel verlaufenden Palisadengräbchen verstärkt wurde.
Die große Überraschung war aber der Fund eines frühkeltischen Grabes. In einem vollkommen vergangenen, aber noch als Abdruck im Boden erkennbaren Baumsarg (ein ausgehöhlter Baumstamm), wurde die Bestattung einer Frau mit zwei Bronzearmringen und zwei kleinen Bernsteinperlchen gefunden. Das Grab lag direkt unter den Resten des Walls und war daher in den geophysikalischen Messdaten nicht sichtbar. Die Knochen der Bestattung waren vollständig vergangen, lediglich minimale Reste von drei Zähnen konnten geborgen werden. Auch die beiden Armringe waren durch chemische Vorgänge im Boden (Düngung, saurer Regen) nur sehr schlecht erhalten und befinden sich derzeit noch zur Sicherung in der Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE. Dennoch ist klar, dass es sich um einen Armringtyp handelt, wie er auch im „Fürstengrab“ vom Glauberg („Vierknotenarmring“) vorkommt. Künftige Grabungen sollen nun klären, warum der Wall direkt über einem Grab errichtet wurde, das zum Zeitpunkt der Erbauung des Walles noch bekannt gewesen sein muss und ob im Umfeld noch weitere Bestattungen als Teil eines ehemaligen Friedhofs zu finden sind.

Neben den Ausgrabungen führt das Forschungszentrum auch zahlreiche weitere Untersuchungen zum Glauberg durch. So wird derzeit durch die Universität Frankfurt getestet, ob die Sandsteinstatue vom Glauberg ursprünglich bemalt gewesen ist.

Die Statue wurde auch im Frühjahr 2017 durch Kollegen des Discovery Programms in Dublin hochgenau dreidimensional gescannt. Das 3D-Modell steht in einer vereinfachten Form der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das hochdetaillierte Modell wird zukünftig genutzt, um weitere Analysen an der Statue zu ermöglichen und um die vollständige Statue digital mit den Bruchstücken der weiteren Statuen vergleichen zu können.

Über seine Aufgaben im Zusammenhang mit der Erforschung des Glaubergs hinaus ist das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg auch zuständig für Forschungen zur „keltischen Epoche“ (der Eisenzeit) in Hessen. Im Rahmen dieses Engagement liegt derzeit ein Hauptaugenmerk auf wirtschaftsarchäologischen Fragen vor allem zur späten Eisenzeit  (Mittel- und Spätlatènezeit) wie z.B. dem Eisenbergbau im Hintertaunus oder der Bleisilbererzgewinnung im Umfeld der augusteischen (frührömischen) Wall/Grabenanlage von Alteburg-Oberbrechen und der zugehörigen Fundstelle von Villmar-Weyer. Da diese Fundstelle in den letzten Jahrzehnten vor Christi Geburt Spuren römischer Aktivitäten aber auch solche der einheimischen Bevölkerung erbracht hat, sind hier auch Fragen im Fokus der Arbeiten, die sich mit dem römischen Einfluss in dieser Region lange vor dem Bau des Limes beschäftigen, vor allem aber zu solchen zum Übergang bzw. zu einem möglichen Bevölkerungswandel von evtl. keltischen zu möglicherweise germanischen Stämmen. Das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg hat daher in Zusammenarbeit mit der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts 2016 erste geomagnetische Prospektionen und 2017 in Kooperation mit dem Weyerer Geschichtsverein und der Gemeinde Weyer eine kurze Sondagegrabung in der Fundstelle durchgeführt. Es ist geplant, die Untersuchungen in den nächsten Jahren mit verschiedenen Kooperationspartnern fortzusetzen.

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